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Katharina Müller | Aeugst a. A.
Mail: info@mobiles-malatelier-demenz.ch

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Konzept

„Mobiles Malatelier für Menschen mit Demenz“

Begleitetes Malen, ein kreativer Freiraum für Menschen, die an einer Demenz
erkrankt sind

 

Inhaltsverzeichnis

1. Leitgedanken

2. Zielsetzungen

3. Zeitplan

4. Organisation

4.1. Infrastruktur

4.1.1. Ausstattung

4.1.2. Material

4.1.3. Voraussetzungen in der Institution

4.2. Durchführung

4.2.1. Vorbereiten des Raumes

4.2.2. Gruppengrösse

4.2.3. Abholdienst

4.2.4. Ablauf der Malstunde

4.2.5. Nachbereiten

5. Visitation

6. Zukunftsvision

 

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1. Leitgedanken

Menschen mit Demenz verlieren im Laufe ihrer Krankheit die Fähigkeit die adäquate verbale Wortfindung und Ausdrucksweise für ihre  Mitteilung zu finden. Solange Worte da sind versuchen sie mittels Metaphern und Symbolen auszudrücken, was sie bewegt.

10 jährige Erfahrung der Autorin haben gezeigt, wie persönlich, unmittelbar, intuitiv und oft weise und humorvoll die persönliche Wahrnehmung ausgedrückt wird. Selbst, wenn gesagt wird, Menschen mit Demenz hätten im fortgeschrittenem Stadium ihrer Krankheit nicht  mehr die Fähigkeit zur Selbstreflexion, so doch zum sinn-bildlichen Teilen und nonverbalen Äussern ihrer tiefgreifenden Lebensveränderung oder, wie es Ganss ausdrückt, kann künstlerische ästhetische Arbeit dazu führen, dass sich Menschen mit fortgeschrittener Demenz sowohl mit Ereignissen aus ihrem vergangenen Leben, als auch mit der aktuellen Lebenssituation auseinandersetzen.(Ganss 2011, ein Zaun kennt viele Farben, S.104) Wenn verbale Kommunikation nicht mehr möglich ist, bietet das begleitete Malen durch sein Sinnes- und Körperorientierung die Möglichkeit das „Leibgedächtnis“ (Baer,2007, Innenwelten der Demenz) zu aktivieren und die betroffene Person , in ihre eigene Körperbewegung und persönliche Malspur zu begleiten.

Menschenbild: Menschen mit Demenz sind einzigartig in ihrer Person und können diese, auch ohne Worte, über die Sinne, ihren Körper und ihre Emotionen zum Ausdruck bringen. Sie haben, wie alle Menschen, das Bedürfnis nach Mitteilung, Einbindung und sinnvoller Betätigung, die sie in ihrer Identität und ihrer Zugehörigkeit bestätigen.
 

2. Zielsetzungen 

Verbesserung der Lebensqualität demenzbetroffener Menschen in einer Institution
durch geschützte Freiräume des selbstbestimmten Ausdruckes.

Unterstützung der verbalen und nonverbalen Kommunikation

Schaffung eines geschützten Gruppenraumes unter „Seinesgleichen“.

Vermittlung von Geborgenheit und Sicherheit für Menschen mit Orientierungs- und Realitätsverlust

Entlastung von Angehörigen und Betreuungspersonal

Förderung verschiedener Betreuungsstrategien

Unterstützung eines würdevollen Sterbens

Erhaltung der Räumlichkeiten in den Institutionen (keine bauliche Veränderungen  für ein Malatelier
 

3. Zeitplan

In Kooperation mit entsprechender Institution
 

4. Organisation

4.1. Infrastruktur
 

4.1.1. Ausstattung  - 1 Transportbus mit Brücke
- 3 zusammenklappbare Malwände aus Pappelsperrholz (= 6mal 1,20 x1,20 m)
 - 6 Staffaleien
- 1 fahrbarer Pallettentisch
- 1 Archivbehälter für Malmappen und Papier
4.1.2. Material 

- 15 giftfreie Aquarellfarben (Lascaux)
- Aquarellppinsel Nr. 2 + 6 (je 12 Stück)
- Malpapier (50 x 70 und 70 x 100)
- Kleinmaterial
- Bodenabdeckrolle

4.1.3. Voraussetzungen in
          der Institution
- 1 ungestörter, geheizter und geschlossener Raum mit Transportlift zugänglich
- Wasseranschluss (Lavabo)
- Stromanschluss (von Vorteil sind helle  Lichtquellen im Raum)
- Toiletten in der Nähe

4.2. Durchführung

- 1 mal wöchentlich oder nach Vereinbarung
4.2.1. Vorbereiten
         des
 Raumes  
- durch Malleiterin
- der Raum muss mind. 1 ½ Stunden vor der Malsequenz frei sein
- Wände aufstellen, Boden abdecken, Farben bereitstellen und aufrühren
- Malblätter aufhängen
- Die Getränke anrichten
4.2.2. Gruppengrösse  - Die Malwände bieten Platz für 3-6 Personen
- Die Gruppe wird nach Absprache mit der Betreuungsleitung und den
  Abteilungen eingeteilt

Es ist wünschenswert, dass die Bewohner regelmässig am Malen teilnehmen können, um eine Gruppenzusammengehörigkeit, Atmosphäre und Kontinuität im Malprozess zu schaffen.

In jeder Malgruppe bildet sich im Laufe der Zeit eine Kerngruppe, die regelmässig das Atelier besucht. Um diesen Kern herum malen weitere Malgäste, die als Folge ihrer dementiellen Krankheit die Malstunden nur unregelmässig besuchen können. Die Kerngruppe, bestehend aus zwei bis drei Personen, schafft Kontinuität und vermittelt Sicherheit und Vertrauen.

Je nach Situation sind Einzelbegleitungen möglich, jedoch nicht die Regel, da verwirrte Menschen sich alleine oft verloren fühlen.


4.2.3. Abholdienst

Nach Erarbeiten des Terminplanes findet das Malen immer zum gleichen Zeitpunkt statt. Die Malgäste werden von den Betreuerinnen zum Malen gebracht und nach einer Stunde wieder abgeholt.
 


4.2.4. Ablauf der Malstunde

- Wichtig für ein gutes Gelingen ist die optimale Vorbereitung
- Eine Stunde begleitend malen bedeutet 2½ Stunden total mit Vor- und
  Nachbereitung (verrechnet wird 1 Stunde Malsequenz)

Die Bewohner/Innen werden von der Malleiterin einzeln begrüsst und als Malgast willkommen geheissen.
In einer einfachen Kommunikation wird so eine Basis des Vertrauens geschaffen und die Betreuerin in Ruhe verabschiedet.

Je nach Wunsch beginnt die Malstunde mit einer ca. zehnminütiger Einstimmung (Bewegungsübung, Geschichte vorlesen, ein Lied singen, Hände einreiben etc.)

Die Malgäste werden einzeln zum Malen eingeladen, zum Malplatz begleitet und mit der Farben- und Pinselauslese unterstützt.

Zusammen mit der Malleiterin werden die ersten Pinselstriche gefunden, indem die Malleiterin zur Aktionsbereitschaft motiviert und mit ihrer wertschätzenden Haltung den Mut und das Selbstvertrauen fördert.

Das Sehen der verschiedenen Farben und Berühren der weichen Pinsel regt die Sinne an und weckt die Lust am Malen und ausprobieren.

Während des Malflusses rotiert die Malleiterin zwischen den verschiedenen Malgästen,hält mit einfacher Konversation den Bezug der malenden Person zum Bild aufrecht und verhindert so ein Wegtauchen und Rückzug in die Innenwelt.

Die entstandenen Bilder oder Malspuren werden nicht analysiert oder gewertet und haben keinen Anspruch auf künstlerische Begabung oder Ästhetik.

Abschiedsritual

Das gemeinsame Teetrinken am Schluss der Malstunde ermöglicht Gefühle zu äussern, das Erlebte zu verdauen und Anschluss an den Alltag zu finden.

Die Malleiterin versichert den Gästen ein geschütztes Aufbewahren ihrer Bilder.

Dies bewahrt sie vor Fremdeinflüssen, gewährt den persönlichen Ausdruck und vermittelt Sicherheit
 

4.2.5. Nachbereiten - durch Malleiterin
- alle Bilder mit Datum versehen, in Bildermappen ablegen und verschlossen
  aufbewahren
- Reinigen der Pinsel, Farbbehälter und Teegläser
- Abbau der Wände und in Bus verladen
- Entfernen und reinigen des Bodenschutzes

                        

5. Visitation

Um den Malprozess nicht zu stören, ist es wünschenswert, wenn interessierte, visitierende Personen an der Malaktivität teilnehmen.

6. Zukunftsvision                             

- begleitetes Malen ist im Betreuungsangebot der Institution integriert               

- das Personal ist darin weitergebildet

- Die Krankenkasse unterstützt den finanziellen Aufwand

 

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29. August 2017

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